Weitwanderungen

Tagebuch Franziskusweg 2019

 

 

 

16. Tag, Route: Spoleto - Monteluco nach Patrico

Wieder einmal ein Regentag und auch ein sehr erlebnisreicher Tag.

Gleich nach dem Frühstück sollten wir über eine Brücke gehen. Leider war sie aus Sicherheitsgründen gesperrt und wir mussten dadurch einen Umweg von 2,5 Km machen.
Diese Brücke aus dem 14. Jh. 240 m lang und 80 Meter hoch - überspannt die tiefe Kluft, die der Tessino hier ausgewaschen hat, und verbindet die Stadt mit Monteluco. Schon die Römer hatten hier eine Verbindung als Wasserleitung.
Am 27. Okt. 1786 suchte auch Goethe die Brücke auf.

Es dauerte nicht lange, hielt ein fröhlicher Italiener mit seinem Auto an und fragte, ob er uns ins Tal hinunter mitnehmen darf.
Brigitte und ich blickten uns an und sagten spontan: “prego Signore”! Freude kam auf, als wir beim “Hinunterrasen” dieser schmalen steingepflasterten harten Straßenstrecke merkten, was wir uns dadurch an Qualen erspart haben. Gesund im Tal angekommen, setzten wir den Weg fort. Wir hatten 900 Höhenmeter bergauf- und 250 Höhenmeter bergab zu bewältigen. Im letzten Teilabschnitt setzte wieder strömender Regen ein. Für uns Steirer auf dieser Höhe einfach “Almfeeling“.
Der Boden wurde durch den Regen immer weicher und bis knöcheltief. „Pudelnass“ wurden wir beim letzten anspruchsvollen Kilometer durch Zufall von der Besitzerin eines uralten Bauernhofes www.agriturismospoleto.net mitgenommen, wo wir auch unsere Nächtigung gebucht hatten. Für uns eine unglaubliche Hilfsbereitschaft. Sie lies uns voller Nässe und Dreck in ihr Auto einsteigen.

In unserer Unterkunft am Bauernhof in Partico Angekommen: Duschen-Wäschewaschen und einen Liter Vino della Casa zum Aufwärmen trinken. Zu zweit versteht sich! Denn die Temperatur kam auch heute nicht über 8 Grad hinaus. Winterkleidung hatten wir für den Wonnemonat Mai leider keine mit.
Hier am Bauernhof fühlen wir uns wie zu Hause in unserer grünen Steiermark. Im wahrsten Sinne des Wortes „Almfeeling pur“!

Wir freuen uns schon auf das Abendessen wie immer hier in Italien um 19:30 Uhr. Ich habe einen riesen Korb mit Schwammerl gesehen. Ich glaube, heut‘ wird es gebackene Schwammerl geben.
Ich hatte recht!
Die Steinmauern strahlten Kälte ab, so romantisch sie auch aussehen. Der tägliche Wein wärmte uns Gott sei Dank!
Spannend war wie immer das gemeinsames Pilgermenü mit dem Bauer, den Knechten und den Pilgern. Das Ritual war immer dasselbe: Bevor der Bauer nicht seinen Platz auf der Stirnseite einnahm und betete, durfte niemand zum Besteck greifen.
Heute wieder für uns ein Wohlfühlabend unter angenehmen Leuten.

 

Die Wolken lösten sich am Tagesende langsam auf und verbreiteten bei uns Zuversicht!